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Neubau ist billiger als Refactoring

Bei meiner iOS-App hat der Neubau zwei Tage und rund 200 Franken gekostet. Danach war sie besser als vorher.

Links ein grob zusammengesetzter, nur zu zwei Dritteln fertiger Block, blass im Hintergrund. Seine Erkenntnisse landen auf einem Stapel Notizen, und von dort führt ein Pfeil zu einem sauberen, vollständigen Block, der daneben ganz neu entstanden ist

Okay, ganz so stimmt das nicht in jedem Fall. Aber irgendwie musste ich euch ja dazu bringen, das hier zu lesen.

Ein bisschen was ist trotzdem dran. Bei meiner iOS-App, einem privaten Projekt, war der Neubau tatsächlich besser als jedes Refactoring. Angefangen hat das mit einem alten Problem.

Mit KI hört man überall: Spec first. Ein Agent baut nur so gut wie die Spec, die man ihm gibt. Das stimmt. Nur begreifen wir oft erst, was wir wollen, wenn wir etwas vor uns haben.

Wireframes reichen nicht

Wireframes, Lovable und ähnliche Tools helfen. Aber die echte Experience kommt erst mit einem Clickable Prototype. Erst beim Durchklicken merkt man, was fehlt, was nervt und was man eigentlich ganz anders wollte.

Bei mir ist das fast eine Regel geworden: Erst wenn die Lösung 60, 70 Prozent erreicht hat, weiß ich wirklich, wo ich hin will. Mit den Stakeholdern ist es genauso. Die vollständige Spec kann ich am Anfang also gar nicht schreiben.

Neu bauen war immer zu teuer

Und dann kommt der Moment, den jeder kennt: Wenn ich nochmal von vorne anfangen würde, würde ich vieles anders machen.

  • Code und Tests
  • Deployment
  • Design und UX
  • Security

Die erste Version gleich zum Wegwerfen einplanen, das hat Fred Brooks schon 1975 geraten. Gemacht hat es kaum jemand, ein Neubau hat Wochen gekostet. Also hat man refactored, was ging, und mit dem Rest gelebt.

Bei meiner App ist es mir dann wie Schuppen von den Augen gefallen: Warum eigentlich nicht? Warum baue ich sie nicht einfach neu?

Prototyp, Findings, neue Spec, Neubau

  • Ich habe die App bis zu einem rohen Prototypen gebaut, vielleicht 60, 70 Prozent fertig.
  • Ich habe damit gearbeitet und gesammelt, was mir auffällt. Der Stakeholder war ich selbst. Dabei habe ich gemerkt: Ich will eigentlich in eine andere Richtung.
  • Dann habe ich der KI genau das als Auftrag gegeben:

Du bist ein erfahrener Software Developer und Product Manager. Schau dir an, was wir gebaut haben. Hier sind meine Findings. Schreib auf dieser Basis die Spezifikation für einen Neubau, sodass wir diese Fehler nicht wiederholen und es besser machen.

  • Die Spec haben wir noch in zwei, drei Runden gechallenged.
  • Dann hat die KI die App von Scratch neu generiert.

Der Neubau hat zwei Tage gedauert. Früher wären das Wochen gewesen.

Er hat mich rund 200 Franken an zusätzlichen Tokens gekostet.

Die neue Version ist besser als die alte, und verloren gegangen ist nichts. Altlasten schleppt sie keine mit. Den ersten Prototypen habe ich also vor allem gebaut, damit ich die Spec schreiben kann.

Was das mit meiner Arbeit macht

Die Findings sauber aufzuschreiben, ist echte Arbeit, die mir keiner abnimmt. Wenn ich da schlampe, baut der Agent dieselben Fehler einfach noch mal, nur sauberer.

Genau da sitzt jetzt meine Arbeit: merken, was am Prototypen nicht stimmt, und es so aufschreiben, dass der zweite Anlauf besser wird. Gebaut ist danach schnell. Für mich ist das eine fantastische Sache.