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Gegen ein 20-Dollar-Abo hat sein CV keine Chance

52 Jahre alt, viel Erfahrung, immer voll dabei. Und trotzdem will ihn keiner.

Ein einzelner, aus der Mitte gerückter Knoten mit konzentrischen Ringen für Erfahrung, ein paar verblasste, unverbundene Markierungen im leeren Raum, eine gestrichelte Linie, die ins Leere läuft, und ein kleiner, isolierter Knoten abseits, ohne Verbindung

Ein guter Freund von mir hat vor vier Monaten seinen Job verloren. Die Firma steckte in finanziellen Schwierigkeiten, und er musste gehen. Er ist 52.

Wenn man sich anschaut, was er in den letzten Jahren gemacht hat, versteht man eigentlich nicht, warum er nicht längst wieder einen Job hat:

  • Senior Software Developer
  • mehrere Millionenprojekte gestemmt
  • Entwicklerteams geleitet
  • verantwortlich für die Systeme, ohne die im Unternehmen nichts lief
  • aktiv in der Community
  • und immer loyal, egal was kam

Seitdem bewirbt er sich. Woche für Woche. Und es kommt nichts zurück.

Ich schreibe darüber, weil ich glaube, dass es einen Weg raus gibt. Für ihn, aber auch für alle anderen, die gerade in derselben Lage sind.

Die IT ist jung, das war sie schon immer.

Sie wird den 25-Jährigen immer gegenüber dem Ü50 bevorzugen. Offen sagt das niemand, aber so läuft es. Und meinem Freund geht es wie vielen in seinem Alter: Der sichere Job ist auf einmal weg. Und dann merkt man, dass es für den nächsten nicht reicht, einfach gut zu sein.

Was mit seinem CV nicht stimmt

Wir haben in den letzten Monaten oft darüber gesprochen. Irgendwann habe ich es ihm dann einfach gesagt, ohne Umschweife: Dein CV ist im Grunde die Feature-Liste von Claude Code oder GitHub Copilot.

Solution Design. Code Reviews. Unit Tests.

Damit hat man früher gepunktet. Heute erledigt das ein Coding-Agent für 20 Dollar im Monat.

Was ihm jetzt hilft

Am CV herumzufeilen bringt nichts. Das Problem liegt woanders. Ich habe ihm gesagt, dass es aus meiner Sicht heute auf zwei Dinge ankommt:

Ein Netzwerk. Im Job und außerhalb. Und zwar ohne Verkaufsabsicht: Leute kennenlernen, sich melden, dranbleiben. Das zahlt sich nicht bei der nächsten Bewerbung aus, sondern erst später. Das ist ein langfristiges Spiel. Genau deshalb habe ich mir übrigens selbst ein Tool gebaut, das mir hilft, mein berufliches Netzwerk zu pflegen.

Etwas Echtes bauen. Von der Idee bis zum fertigen Produkt. Er entwickelt jetzt eine iOS-App, die in den App Store soll. Und er macht das als Chef eines virtuellen Teams aus KI-Agenten. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, hinterher etwas vorzeigen zu können. Er will selbst erleben, was es heißt, so ein Team zu führen. Damit er es nicht nur behauptet, sondern wirklich kann.

Warum 52 kein Nachteil ist

Ich halte sein Alter nicht für ein Problem. Ich glaube sogar, es ist sein größter Vorteil.

Junge Entwickler bringen, auch wenn sie noch so engagiert sind, meistens zwei Sachen mit: Fachwissen und KI-Skills. Was sie noch nicht haben, ist ein Netzwerk, das über Jahre gewachsen ist. Und echte Erfahrung. Genau das hat er.

Erfahrung, Kontakte und dazu die Fähigkeit, selbst ein KI-Team zu führen: Da kommen nicht viele mit. Die KI hat ihn nicht abgehängt. Im Gegenteil, mit ihr kann er gewinnen.

Und jetzt?

Ein Happy End kann ich noch nicht liefern. Er sucht seit vier Monaten, und der große Durchbruch fehlt noch. Aber seit er vor ein paar Wochen angefangen hat, wirklich zu netzwerken, kommen Einladungen zu Assessments. Erste Runde, noch kein Angebot, noch ist nichts entschieden. Aber zum ersten Mal seit der Kündigung tut sich was. Und das liegt am Netzwerk, nicht an einem aufpolierten CV. Mit der App hat er auch schon losgelegt. Sobald es etwas Neues gibt, schreibe ich es hier auf.

PS: Er weiß von diesem Text. Wir haben ihn zusammen geschrieben.