Claude managt jetzt mein berufliches Netzwerk
Wenn KI Code schreiben kann, zählt vor allem eins: wie man mit Menschen umgeht.
Vor etwa einem Jahr habe ich aufgehört zu glauben, dass technisches Können den Unterschied macht. Wenn KI Code schreiben kann, dann ist etwas anderes wichtig: wie man mit Menschen umgeht. Dazu kommt: Reden kann ich super. Nachfassen nicht. Genau deshalb habe ich mir das hier gebaut. Etwas, das sich merkt, was ich den Leuten in meinem Netzwerk versprochen habe.
So ist es aufgebaut
Im Kern ist es ein System-Prompt in einem Claude-Projekt. Der Vorteil: Das Projekt hat ein Gedächtnis, das über alle Chats hinweg bleibt, statt jedes Mal bei null anzufangen. Es hält fest, mit wem ich gesprochen habe, wo ich mich noch melden muss und was noch offen ist. Keine Akte über die Person, sondern ein Protokoll dessen, was zwischen uns läuft. Und dieses Gedächtnis pflegt es selbst.
Wie das im Alltag läuft
Getippt wird dabei nichts. Nach einem Treffen öffne ich einen neuen Chat, drücke aufs Mikrofon und rede einfach los. Was mir noch im Kopf ist, ungeordnet, in der Reihenfolge, in der es mir einfällt. Das Projekt sucht sich raus, was sich zu merken lohnt, und legt es selbst ab. Ich sortiere nichts von Hand. Und ich muss auch nicht im Moment entscheiden, was davon ein Fakt ist, was eine Aufgabe und was einfach Rauschen.
Du entscheidest, ich setze um
Was ich gebaut habe, ist kein Assistent. Es ist zuständig für mein Netzwerk: wen ich kenne, was offen ist, was ich wem schulde. Deshalb muss es von sich aus aktiv werden und darf nicht nur warten, bis ich frage. Aber es tut nie etwas, ohne dass ich es sage. Du entscheidest, ich setze um.
Der Prompt hat zwei tragende Teile. Der erste legt fest, wer zuständig ist, und zieht dann die Grenze:
Du bist zuständig für mein berufliches Netzwerk, nicht einfach ein Assistent. Sei proaktiv: Sag mir, bei wem ich mich längst hätte melden sollen, was liegen bleibt und was ansteht. Aber schick nie eine Nachricht, stell niemanden vor und unternimm nichts, bevor ich ausdrücklich Ja gesagt habe.
Der zweite regelt, wie sortiert wird:
Wenn ich dir eine Notiz gebe, sortier sie ein: ein fester Fakt über die Person, worüber wir an welchem Tag gesprochen haben, etwas, das ich später machen will, das aber noch nicht fest geplant ist, oder eine Aufgabe oder Abmachung, offen oder erledigt. Wenn sich ein Fakt ändert, überschreib ihn. Stapel keine widersprüchlichen Versionen übereinander.
Korrekturen ersetzen also das Alte, statt sich anzuhäufen.
Was es sich nicht merkt
Am wichtigsten ist mir aber, was es sich ausdrücklich nie merken darf:
Speichere nie dauerhaft Gesundheitsdaten, Familienkrisen, Finanzen oder andere sensible Themen. Wenn du deshalb etwas aus einer Notiz weglässt, sag konkret, welchen Teil: „Die Info zu [Thema] speichere ich nicht.“ Nicht nur, dass etwas gefiltert wurde.
Diese Regel gibt es, weil mein erster Impuls beim Bauen war, es sich einfach alles merken zu lassen. Genau diesem Impuls habe ich nicht getraut. Und bei keiner Regel schaue ich so oft nach, ob sie wirklich hält.
Wer sich so etwas selbst bauen will
Die drei Prompts oben würde ich jemandem wirklich mitgeben: wer zuständig ist und wo die Grenze liegt, wie sortiert wird und was nicht ins Gedächtnis darf. Der Rest ist Buchhaltung, die man so einrichten kann, wie man selbst tickt.
Ganz traue ich dem Ganzen noch nicht. Es ist eine Testphase. Ich finde immer noch Stellen, an denen die Kategorien nicht passen oder eine Notiz falsch abgelegt wird. Und eine Frage ist noch offen: Werde ich dadurch wirklich besser im Umgang mit den Menschen in meinem Netzwerk? Oder nur besser organisiert?